Die drei Säulen: SPF, DKIM, DMARC
E-Mail wurde ohne Absender-Authentifizierung entworfen – der angezeigte Absender (Header-From) ist frei wählbar. Drei aufeinander aufbauende Standards schließen diese Lücke:
SPF — Sender Policy Framework (RFC 7208)
Ein DNS-TXT-Eintrag legt fest, welche Server für eine Domain senden dürfen. Geprüft wird der technische Absender (Envelope-From), nicht der sichtbare Header-From.
v=spf1 include:spf.protection.outlook.com -all
-all = Hard Fail (alles Übrige ablehnen), ~all = Soft Fail. Pro Domain darf es nur einen SPF-Record geben.
DKIM — DomainKeys Identified Mail (RFC 6376)
Jede ausgehende Mail wird kryptografisch signiert; der öffentliche Schlüssel liegt im DNS unter <selector>._domainkey.<domain>. Der Empfänger verifiziert damit Echtheit und Unverändertheit.
DMARC — Domain-based Message Authentication (RFC 7489)
Verknüpft SPF und DKIM mit dem sichtbaren Absender (Alignment) und legt die Policy fest, was bei Nichtbestehen passiert.
v=DMARC1; p=reject; rua=mailto:dmarc@example.de; fo=1
p=reject ist das Ziel (Fälschungen werden abgewiesen), p=quarantine die Zwischenstufe, p=none nur Beobachtung ohne Schutz.
Typische Fehler
- Mehrere SPF-Records – ungültig; alle Mechanismen müssen in einem Record stehen.
- SPF mit mehr als 10 DNS-Lookups – führt zu PermError;
include:sparsam halten. - DMARC bleibt auf
p=none– bietet keinen Schutz, nur Reports. - Fehlendes Alignment – SPF/DKIM bestehen technisch, passen aber nicht zum sichtbaren Absender.
- DKIM nicht aktiviert – bei Microsoft 365 muss DKIM bewusst eingeschaltet und per CNAME hinterlegt werden.
Weiterführend: MTA-STS, DANE, BIMI
Diese Mechanismen ergänzen die Authentifizierung um Transportverschlüsselung und Markenvertrauen:
- MTA-STS – erzwingt TLS-verschlüsselten Transport zwischen Mailservern und verhindert Downgrade-Angriffe.
- DANE (TLSA) – bindet das Server-Zertifikat per DNSSEC an die Domain; Alternative/Ergänzung zu MTA-STS.
- BIMI – zeigt bei korrektem DMARC
p=quarantine/rejectdas Markenlogo im Postfach an; setzt strikte Authentifizierung voraus.
Sonderfall: Ghost-Sender (Exchange Online)
Eine 2026 von InfoGuard Labs veröffentlichte Fehlkonfiguration. Tückisch, weil sie greift, obwohl SPF/DKIM/DMARC korrekt gesetzt sind.
Voraussetzung: Die Domain nutzt Microsoft 365 und hat einen externen Mail-/Filterdienst vorgeschaltet (der MX zeigt nicht direkt auf Microsoft). Dann nimmt Exchange Online Mail, die direkt an den Tenant-Endpunkt <tenant>.mail.protection.outlook.com zugestellt wird, standardmäßig an – am Filter vorbei. SPF/DKIM/DMARC schlagen zwar fehl, die Nachricht landet aber ohne Warnung im Postfach.
Schutzmaßnahme 1 — Partner-Connector mit IP-Beschränkung (empfohlen)
Ein Inbound-Connector vom Typ „Partner“ mit Wildcard, der nur Mail aus den IP-Bereichen des vorgeschalteten Filters akzeptiert und alles andere abweist:
New-InboundConnector -Name "Reject mail not via filter" `
-ConnectorType Partner `
-SenderDomains * `
-SenderIPAddresses <Filter-IP-Ranges> `
-RestrictDomainsToIPAddresses $true `
-RequireTls $true
Robuster Indikator bei aktiver Mitigation: Exchange antwortet auf RCPT TO mit 550 5.7.51 TenantInboundAttribution.
Schutzmaßnahme 2 — Mailflow-Regel (Alternative)
Eine Transportregel (Priorität 0) quarantäniert jede Nachricht, die nicht aus erlaubten IP-Ranges stammt bzw. nicht den Header X-MS-Exchange-Organization-AuthAs: Internal trägt.
Zusätzlich: Direct Send deaktivieren
Set-OrganizationConfig -RejectDirectSend $true
Schließt das Fälschen interner Absender. Achtung: vorher prüfen, ob Geräte/Anwendungen (Drucker mit Scan-to-Mail, Monitoring, Branchensoftware) legitim per Direct Send senden – diese sonst auf authentifizierten Versand umstellen.
Was NICHT gegen Ghost-Sender hilft
- DMARC
p=rejectallein (greift bei Direkteinlieferung nicht). - Standard- oder Strict-Schutz-Presets in Microsoft 365.
- Anti-Phishing-/Anti-Spam-Richtlinien mit „DMARC beachten“.
- Ein einfacher „Your Organization“-Connector ohne IP-/Zertifikats-Restriktion.
Prüf-Tools
Kostenlose Werkzeuge zum Prüfen der eigenen (autorisierten) Domains:
Quelle zur Ghost-Sender-Schwachstelle: InfoGuard Labs, „Ghost-Sender – Universal Email Spoofing against Exchange Online“ (09.06.2026). RFC-Referenzen: 7208 (SPF), 6376 (DKIM), 7489 (DMARC).